DIE
BRONZEN DER KONDH
GALERIE
NOAH'S ARK
Michael
Beste
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Unsere Vorväter sind hier schon seit langer, langer
Zeit", sagen die Kond von sich. Dabei beziehen sie sich auf den Teil der
Eastern Ghats, der von den Stammesgebieten der Soaras und anderer Stämme im
Westen bis zur bengalischen Küste im Osten, und vom steilen Abbruch der Ghats
zum Mahanadifluß im Norden bis zum Godavery im Süden reicht.
Horatio B. Rowney stellt 1882 fest, daß es drei Untergruppen
unter den Kond gibt: Die Mahlia, die Benniah und die Bhetiah, wobei die Bronzen von der ersten Gruppe verwendet werden.
Als ersten Hinweis auf die Kond-Bronzen dient uns
eine kurze Bemerkung in dem ersten Bericht über die Menschenopfer der Kond.
Das war 1837, kurz nach der Entdeckung der Kond durch die Europäer. Um die
kulturelle Bedeutung der Bronzen zu verstehen, sollte man jedoch zuerst ihren
Hintergrund betrachten .
Man weiß wenig über die Frühgeschichte der Kond,
die heute eine Bevölkerung von ungefähr 700 000 Menschen haben. Einige
wenigstens sind Abkömmlinge der ureingesessenen Draviden, die durch die
arische Einwanderung von den Küstenebenen Orissas hierhin vertrieben wurden.
Diesen schlossen sich wahrscheinlich andere Stammesgruppen an, die dravidische
Sprache, Kui, und die damit verbundenen
Glaubensvorstellungen übernahmen. Ihren Häuptlingen treu ergeben, sehr
unabhängig und immer zum Kämpfen bereit, konnten sie ihre Kultur und Sprache
über die Jahre hinweg bewahren.
So konnten sie der westlichen Welt verborgen
bleiben, bis 1835 die Truppen der East India Company in die Ghats eindrangen,
um den Raja von Goomsur zu verfolgen, der von den Küstenebenen entkommen war.
Hier machten die Briten die Entdeckung, daß "wir unter unseren
Untertanen ein ganzes Volk haben, das Menschenopfer und Mord an weiblichen Kindern
in einem Umfang und einer Grausamkeit praktiziert, welche noch nie von einem
anderen Volk übertroffen wurde" (1872,E.T.Dalton).
Rownwey beschreibt die Opferzeremonie 1882 sehr
ausführlich: "In einigen Orten waren die Opfer nur männlich, in anderen
benutzte man beide Geschlechter. Sie konnten von jeder Kaste oder Abstammung
sein, vorausgesetzt sie waren keine Konds. Dies war ihnen durch ihre Tabus verboten.
Infolgedessen wurden Kinder von außerhalb gekauft oder geraubt und zu ihnen
gebracht. Bis diese in das Alter kamen um zu verstehen, was man mit ihnen vorhatte,
wurden sie freundlich behandelt; danach aber bewacht und gefesselt. Der Zanee (Priester) stand dem Opferritus
zwar vor, als Medium aber mußte er das Toomba,
ein Kondkind unter sieben Jahren, benutzen.
Einen Monat vor dem Opfer begann man zu feiern und zu trinken, man
tanzte um das Meriah (Opfer), das mit
Girlanden etc. geschmückt war. Am Tag vor der Opferung wurde es mit Toddy
(starker Schnaps) betäubt und an den Opferpfahl gebunden. Der Stamm tanzte dann
außen darum herum".
"Am nächsten Tag wurde das Opfer wiederum
betäubt und mit Öl eingerieben, das von den Anwesenden abgewischt und als Segen
auf den eigenen Kopf gerieben wurde. Es wurde dann in einer Prozession um das
Dorf geführt und wieder an den Pfahl gebunden. Man schlachtete ein Schwein und
bot es der, meist durch drei Steine dargestellten, Dorfgottheit dar. Das Opfer,
oft schon bewußtlos, wurde nun in eine Grube geworfen und sein Gesicht auf den
Boden gedrückt, bis es erstickt war. Dabei machte man einen ohrenbetäubenden
Lärm mit Instrumenten. Daraufhin schnitt der Priester ein Stück Fleisch aus der
Leiche und begrub es nahe der Gottheit; alle anderen Anwesenden taten es ihm
nach. Kopf und Gesicht des Opfers blieben unberührt und wurden zusammen mit den blanken Knochen vergraben."
Diese menschlichen Opfer wurden regelmäßig der
Erdgöttin dargebracht, um ihren Durst nach Blut zu befriedigen. Da die Kond, im
Gegensatz zu anderen Stämmen Mittelindiens, glaubten Tierblut sei unzureichend,
erklärten sie, ohne das Vergießen menschlichen Blutes auf die Erde gäbe es
keine Fruchtbarkeit. Der regelmäßige "Nachschub" an menschlichen Opfern wurde von den Pan - untergeordneten Händlern und Handwerkern, die den Kond als
Zwischenhändler dienten - gekauft oder geraubt. Die Pan lebten in kleinen
Gruppen nahe den Kond-Dörfern, in gegenseitiger Abhängigkeit von ihren
Nachbarn, deren Sprache und Rituale sie schon vor langer Zeit übernommen haben.
Interessant ist, daß nicht alle Kond dem
beschriebenen Opferritus folgten: Über Zweidrittel der Klans hielten die
Menschenopfer für notwendig, während das restliche Drittel sie ablehnte -
obwohl auch sie Kindestötung praktizierten.
Die Kond erklären diese Glaubensspaltung
mythologisch. Alle stimmen darin überein, daß Bura Pennu, der Sonnengott, die Erdgöttin - Tara Pennu - als seine Gefährtin
schuf. Dann aber fand er, sie widme ihm nicht genug Aufmerksamkeit, außerdem
würde sie seinen Schöpfungsdrang behindern - dadurch ließ er sich aber nicht
davon abhalten, die Menschen zu erschaffen. Dieses Zeitalter war paradiesisch,
voll von Harmonie in der ganzen Schöpfung, abgesehen von der immer Größer
werdenden Eifersucht der Erdgöttin, die schließlich zu einer ernsthaften
Auseinandersetzung um die Oberherrschaft zwischen ihr und dem Sonnengott
führte. An diesem Punkt behaupten alle, außer den Klans aus dem Südosten, daß
die Erdgöttin siegreich war, obwohl sie Bura gestattete, als Schöpfer den
zweiten Platz zu übernehmen. Sie lehrte die Menschen die Kunst des Jagens, die
Kriegsführung und den Ackerbau unter der Bedingung, daß sie sie in Form von
Menschenopfern verehrten. Die Klans in der Minderheit, die daran festhielten,
daß Bura als Sieger hervorging, behaupteten, daß er die Kindestötung an
weiblichen Neugeborenen sanktionierte, indem er sagte: "Seht, wie sehr ich
und die ganze Welt durch die Schaffung eines einzigen weiblichen Wesens (der
Erdgöttin) gelitten haben! Es steht euch daher frei, nur so viele Frauen aufzuziehen,
wie ihr ertragen könnt!"
G.V.Oppert gibt die Sage etwas anders wieder. Laut
ihm begann der Krieg zwischen männlichen und weiblichen Gottheiten als Tara
Pennu den Sonnengott Bura Pennu heiratete. Bura beschloß, die Menschen zu
erschaffen und auch die Vegetation, um sie zu ernähren. Tara Pennu wurde
eifersüchtig, hielt ihre Hände über die Erde und sagte: "Du darfst nichts
mehr erschaffen!". Aber Bura wischte sich den Schweiß vom Körper, vergoß
ihn über der Erde und sagte: "Für alles, was ich erschaffen habe!".
So entstanden Liebe, Sex und die Fortpflanzung der Rassen. Die Erdgöttin wurde
sehr ärgerlich und schuf Krankheit und Tod. Ein kosmischer Kampf zwischen den
beiden brach aus, der auf der Erde, am Himmel und im Wasser ausgefochten
wurde; ihre Waffen waren Berge, Wirbelwinde und Sternschnuppen und die Kond
sind sich heute noch nicht einig, wer den Kampf gewonnen hat.
Die Quintessenz beider Sagen ist jedenfalls eine
symbolische Beschreibung der Verschmelzung von patriarchalischen und
matriarchalichen Gesellschaftsformen.
Soweit dieser kleine Exkurs in die Mythologie der
Kond.
1855 wurden die Kond von den Briten
"überzeugt", daß die Erdgöttin auch Büffelopfer akzeptiere. Genau
ein Jahrhundert später brachten einige ihrer Nachkommen unerwartet aus geheimen
Verstecken ihre Stammesbronzen hervor. Die ehemaligen Götter wären nicht mehr
in der Lage ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sagten sie. Daher hätten sie
aufgehört, sie zu verehren und stattdessen beschlossen, "von den
christlichen Göttern zu lernen".
Die Existenz dieser Bronzen war vorher lange in
Vergessenheit geraten. Heutige Nachforschungen haben ergeben, daß E.Thurston
1892 eine Sammlung im Museum von Madras erwähnte - einige dieser Stücke
gelangten wahrscheinlich 1916 in das Victoria and Albert Museum in London
(inventarisiert 1916 und 1955) und auch einige andere Museen in England
besitzen wenige Stücke. Eine beachtenswerte Anzahl jedoch wurde Missionaren um
1955 von Stammesältesten der Kond übergeben.
Grob gesehen fallen diese Bronzen in vier
Kategorien. Erstens zum Gebrauch bei Menschenopfern, zweitens als Totemtiere,
die den Stammbaum einzelner Klans festhalten, drittens Bronzen, die zur
Mitgift gehörten und schließlich, viertens, Gegenstände für verschiedene
Zwecke. Die Kond selber klassifizieren sie heute alle als "dorbo" - Bronzegegenstände oder Wertgegenstände. Einige
werden immer als "pradi dorbo"
- Schätze aus alter Zeit - bezeichnet und auch heute noch von den
nichtchristlichen Kond in Ehren gehalten.
Von den vielen Tierdarstellungen, die bei
Menschenopfern benutzt wurden, sind die meisten Größeren, im Hohlgußverfahren
hergestellten, sich untereinander sehr unähnlich, auch wenn sie dasselbe Tier
darstellen. Die oft auftauchenden kleinen stilisierten
"Doppelpfauen" dagegen sind sich untereinander so ähnlich, wie es
das Herstellungsverfahren erlaubte. Gleichzeitig findet man eine große Anzahl
meist kleiner, im Vollgußverfahren hergestellter Büffel.
Zwei frühe Texte werfen etwas Licht auf das häufige
Vorkommen dieser Pfauen und Büffel. Der eine ist der erste Bericht über die
"Meriah" (Menschenopfer), herausgegeben 1837 von Mr. Stevenson im
"Madras Journal of Literature and Science". Er berichtet, daß,
nachdem einen Monat lang getrommelt, gefeiert und getrunken wurde, das Opfer am
Vortage der Zeremonie an die Opfersäule gebunden wurde "an derer Spitze
das Abbild eines Vogels befestigt ist und unter der eine Bronzefigur desselben
Vogels vergraben wurde". Man hat solche Pfauenfiguren gefunden. Es sind
kleine, längliche Gefäße, an deren Schmalseiten Pfauen mit aufgerichteten
Schwingen sitzen. Den anderen Hinweis finden wir 1875 bei Colonel Taylor (The
People of India), der darauf hinweist, daß im Gebiet von Boad (nördlich) die
Erdmutter in der Form eines Büffels verehrt wird, während sie in Goomsur als
Pfau dargestellt wird. Die Bronzefiguren erwähnt er allerdings nicht. Daraus
geht hervor, daß jedes Dorf in Boad, das Opferzeremonien vollzog, eine
Büffelfigur benötigte, während in Goomsur ein Pfau dieselbe Funktion erfüllte.
Wie bei vielen anderen Völkern, die nicht nur
Sammler und Jäger sind, sondern auch Landwirtschaft in genau geregelten
Gemeinschaften betreiben, haben auch bei den Konds die Vorfahren einen
wichtigen Platz im religiösen System inne. Ihre Klans definieren sich durch
Tier- und Reptilabbildungen, seltener durch unbelebte Objekte. Wahrscheinlich
diente eine Begegnung oder ein Erlebnis vor langer Zeit dazu, ein bestimmtes
Tier oder Objekt mit einer Sippe zu
verbinden und sie zu mythologischen Verwandten zu machen. Die betreffenden
Klans begegnen ihrem Tier mit Respekt und halten sich auch an
entsprechende Tabus, die z.B. das Jagen
und Berühren verbieten.
Ein Beispiel bietet die zusammengefaßte
Ursprungsmythe der "Gundsika"
oder des Eulen-Klans der Kuttia Kond: Einst hatte ein Vorfahre auf der Jagd
eine Eule erlegt und auch gegessen. Nachdem man herausgefunden hatte, was er
gegessen hatte, erklärte man, daß der
Jäger von nun an selbst gundsika - Eule - heiße.
Ab einem gewissen Zeitpunkt wurden dann auch
Abbildungen in der "cire perdue"-Technik angefertigt
(verlorene Form).
In einer dunklen Ecke des Hauptraumes eines
jeden Kondhauses befindet sich der Ahnenschrein,
eine Lehmplattform mit einem Holzpfahl darauf, der oben gegabelt ist. Manchmal
sind auch Brüste angeschnitzt oder er ist mit Kerbmustern verziert. Hier bringt
das Familienoberhaupt den Ahnen Trankopfer dar, er ruft sie bei ihren Namen, so
weit diese ihm bekannt sind; die weiter zurückliegenden beschwört er als
Kollektiv. Er lädt aber niemals andere Götter ein, wie es sonst bei den Kond der Brauch an anderen heiligen
Plätzen ist. Der Ahnenschrein ist auch der Ort, wo die Bronzen aufbewahrt
werden. Es ist bezeichnend für die Kond,
daß sie über den ganzen Vorgang sehr verschwiegen sind, sogar
untereinander. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum die Bronzen nur in
einem frühen Bericht der Engländer erwähnt werden und danach in Vergessenheit
gerieten - bis sich die vorher erwähnten
Kondgruppen 1955 endgültig davon trennten und sie den Missionaren übergaben.
Vielleicht wurden die Kond von der Neugier der weißen Fremden
überrumpelt, einer Neugier, die ihren Stammesgenossen nie in den Sinn gekommen
wäre. So konnte Stevenson 1836 schreiben: "Aus Metall machen sie Figuren
von Elefanten, Pfauen, menschlichen Wesen, Fischen und ähnlichem und bewahren
sie in ihren Häusern auf". In Zeiten von Bedrängnis und Krankheit oder in
Verbindung mit dem Tod eines Vorfahren bringen sie bestimmte Opfer dar. Er
fügt hinzu, daß sie die Vorfahren - vertreten durch die Bronzen - auch dann versammeln, wenn der Priester
herausfinden möchte, welcher der alten Namen einem Kind gegeben werden soll.
Es sieht so aus, als ob die Kond des
Zentralgebietes als Sippenembleme Tiere und natürliche Gegenstände benutzen,
während einige Stämme an der Peripherie auch künstliche Gegenstände annehmen.
In dem Artikel "Totemism Among The Kond" erwähnt Friend-Pereira 1904
als Beispiele für die Zentral-Kond Frosch, Schlange, Wachtel, Fasan, Mahuabaum
(hieraus brennen sie ihren Wein), und Gras. Hinzufügen kann man Antilope,
Leopard, Panther, Bär, Krabbe, Schildkröte und zweifellos viele mehr.
Friend-Pereira stellt fest, im religiösen Brauchtum der Kond " steht das
Totem für die Seele des Ahnen, der den Klan gründete und der gleichzeitig auch
ihre Hauptschutzgottheit ist, und zweitens als Manifestation der Schutzgottheit
selber". Gleichzeitig dient es als Führer für die unwissenden Stammesangehörigen
durch die Stammesgeschichte und ihre Abstammung, um ihnen bei der Befolgung der
Regeln der Fremdheirat zu helfen. Ein Mann darf nämlich nicht innerhalb seines
eigenen Totemklan heiraten, nicht einmal innerhalb eines anderen Klans, der
einmal mit dem seinem ein Bündnis eingegangen war (in den Tagen der Stammeskriege),
sondern nur mit Frauen aus befeindeten Klans. Es ist zu vermuten, daß durch die
Übergabe eines Mädchens die Überlegenheit des Klans des Bräutigams anerkannt
wurde.
Ein weiterer Verwendungszweck der Bronzen war als
Mitgiftgabe für den Bräutigam. Thurston beschreibt eine Kondhochzeit, auf der
die Braut auf den Schultern zum Haus des Bräutigams getragen wird. "Es
wird Musik gespielt und im Hintergrund wird Spielzeug aus Metall wie z.B.
Pferde etc. für den Bräutigam mitgeführt". Daneben natürlich auch andere
Gegenstände ihrer Mitgift - kleine Töpfe und Löffel, Metallgefäße und Schmuck,
und - als Geschenk für den Bräutigam - Pfeil und Bogen, eine Kopfbedeckung mit
Federn und roter Stoff.
Die "Madras Mail" fügt 1894 hinzu,
"daß der Braut, sobald sie das Haus des Bräutigams betritt, riesige
Fußringe, jeder 20-30 Pfund schwer, an jedem Knöchel befestigt werden".
Diese hatte sie für 3 Tage zu tragen. "Diese Fußringe", schreibt die
Mail, "werden in den Bergen gemacht, sind merkwürdig mit Zickzacklinien
verziert und bleiben als Erbe in der Familie, um bei der nächsten Hochzeit
wieder verwendet zu werden". Die Fußringe sollten wohl weniger die Frauen
am Davonlaufen hindern als vielmehr anzeigen, wie wohlhabend die Familie der
Braut war, die nicht zum Arbeiten, sondern "zum Sitzen" in die
Familie des Bräutigams gekommen war. Hinweis darauf ist, daß diese Fußringe
als "pradi dorbo", alte Schätze angesehen werden. Heute noch sind
sie symbolischer Teil der Mitgift.
All diese Bronzegegenstände spielen auch heute noch
eine Rolle bei der Hochzeit reicher Konds. Sowohl Elefanten als auch Pferde
werden geschenkt, oftmals mit einem Reiter, der entweder ein Schwert oder ein
Gewehr schultert. Dies resultiert wahrscheinlich aus dem Goomsurkrieg (um
1835), in dem die britischen Offiziere die Konds durch den Gebrauch von
Elefanten als Zugtiere in Erstaunen versetzten. Diese waren nur mit den wilden,
im Dschungel lebenden Tieren vertraut. Pferde waren nur da bekannt, wo Kontakt
zu benachbarten Gruppen bestand, die mit der "Außenwelt" in
Verbindung standen.
Es ist nicht klar, ob es bei der Hochzeit zwischen
zwei Klans zu einem Austausch der Totemtiere kam, obwohl Thurston dies nicht
in Frage stellt.
Dr. Mohan K. Gautam vom "Rijksmuseum Voor
Folkenkunde" in Leiden meint, daß alle Geschenke des Brautvaters an den
Bräutigam Aspekte seiner neuen Rolle symbolisieren sollen (z.B. Ehemann, Beschützer,
zukünftiger Vater und erwachsenes Mitglied seiner Gruppe). Demnach würde die
Beschreibung als Spielzeug nicht zutreffen, sogar zu der Zeit, als der
Bräutigam gewöhnlich nur 12 oder 13 Jahre alt war.
Die vierte Gruppe der Bronzen umfaßt Dinge wie Axtgriffe
und -schneiden oder Miniaturnachbildungen
von Büffelhörnern, die an Armbändern getragen werden. Man findet gelegentlich
auch kleine Lampen, Mundstücke primitiver Blasinstrumente und lange, dünne
"Geweihe", die beim Hochzeitstanz an einer umgehängten Trommel
befestigt werden.
"Cire
perdue" oder "Technik der verlorenen Form" ist
eine alte Kunst, die heute noch in einigen indischen Staaten, auch
Orissa, ausgeübt wird. Für die
traditionell verhafteten Kond jedoch waren die einzigen ehrbaren Tätigkeiten
Jagen, Krieg führen und Ackerbau. Um sie also mit den Bronzegegenständen zu
versorgen, mit denen sie schon seit Jahrhunderten vertraut waren, siedelten
sich 2 oder 3 kleine Gruppen von Schmieden in der Nachbarschaft von Kond- und
Pan-Dörfern im östlichen und im zentralen Stammesgebiet an. Wahrscheinlich
kamen sie aus Belugunta im Ganjamdistrikt in den Ebenen Orissas
Belugunta ist seit langem bekannt für seine
Schmiedekunst und es gibt dort auch einen Markt, zu dem die Pan-Händler von den
Kondbergen regelmäßig gingen, um Büffel zu kaufen. Diese brachten sie zu den
Kond, um sie als Tieropfer zu benutzen, aber auch für die Verwendung in der
Landwirtschaft.
Die eingewanderten Metallarbeiter verwendeten für
kleinere Figuren die Vollgußtechnik,
Größere die billigere Hohlgußtechnik. Beim Vollguß wird das Modell sorgfältig
aus mit Harz vermischtem Bienenwachs geformt; eine Gußröhre aus Wachs wird am
Fuß befestigt und das ganze mit weichem Ton bedeckt. Darüber werden nach dem
Trocknen mehrere Lagen Ton gelegt und schließlich wird das Teil in einem
einfachen Ofen, der mit einem Blasebalg aus Ziegenhäuten angeheizt wird,
gebrannt. Das Wachs schmilzt, läuft aus der Gußröhre heraus und geschmolzenes
Metall wird in diese Röhre gegossen. Nach dem Abkühlen wird der Ton entfernt
und die Bronzefigur bleibt übrig. Üblicherweise wird das Objekt noch
nachgearbeitet und poliert; nicht jedoch bei den Kond.
In Orissa ist die Hohlgußtechnik am weitesten
verbreitet. Thurston beschreibt sie so: "Der Kern der Figur wird wie üblich grob aus Lehm geformt. Anstatt
aber diesen gleichmäßig mit einer dünnen Wachsschicht zu überziehen, werden
dünne Fäden aus Wachs gemacht und über die Form gelegt. Diese formen ein Netz
oder paralle und diagonale Linien, je nach Form der Figur und Geschick und
Laune des Handwerkers. Der Kopf, die Arme und die Füße werden wie üblich aus
Wachs modelliert und am Korpus befestigt. Die Wachsfäden werden mit Hilfe eines
Bambusrohres gemacht, dem ein bewegliches Metallplättchen eingefügt wurde. Das
Wachs wird, nachdem es erhitzt wurde, durch ein Loch am Ende des Rohres gepreßt
und kommt in Form langer Fäden heraus. Diese müssen verarbeitet werden, bevor
sie hart und brüchig werden". Wachsfäden werden auch für die Augen, für
Leopardenflecken, Spiralen und andere Verzierungen verwendet. Wie beim
Vollguß wird auch ein Gußkanal, bei größeren Figuren auch ein Austrittskanal
für die heißen Gase angelegt.
Einige der Bronzen wurden "rituell
gereinigt", indem sie mit Opferblut oder Kuhdung beschmiert wurden;
dadurch verschwinden oft Details und Muster.
Es wurde versucht, das Alter der Figuren mit
Thermoluminiszenz zu bestimmen; diese Methode führte aber zu keinem Resultat, da
für den Kern normaler Ton aus den Feldern mit feiner Erde aus Termitenhügeln
und Kuhdung vermischt wurde. Dabei nahm der Ton Sauerstoff aus der Luft auf
und vereitelt dadurch die Bestimmung von archäologisch interessantem
Sauerstoff. Die verwendete Bronze hat normale Zusammensetzung mit zusätzlichem
Zink.
S.Kramrisch beschreibt den Eindruck, den die
Figuren hervorrufen folgendermaßen: "Sie sind die am lebendig wirkendsten
von allen Stammesbronzen". Und ein wenig weiter: "Während das
Netzmuster, das auch anderswo in Bengal, Bihar und Bastar verwendet wird, dort
makellos und regelmäßig auf dem geglätteten Metall aufgebracht wird, tragen die Kondfiguren ihr
durchsichtiges Gewebe als wäre es ein lose gewebtes, eng anliegendes Netz,
dessen Fäden mal hierhin, mal dorthin gezogen wurden."
Copyright: Michael Beste ; Auf dem
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Tel. 02427 8510, Fax 02427 8535
Literatur
Thurston, Edgar: Castes and Tribes of
Vol. 1-7., Madras
1909.
Museum Rietberg: Orissa-
Kunst und Kultur in Nordost-
Indien.
Zürich 1980.
Rowney, Horatio B.: The Wild Tribes of
Boal, B. :
Kond Bronzes. In Art of
Niggemeyer,H.: Kuttia-Kond,Dschungelbauern in Orissa.
München 1964.
Kramrisch, S.: Unknown
Stevenson
:
Friend-Pereira,J.: Totemism Among The Konds, 1904.
Oppert, G. V. : On the Original Inhabitants of Bharat Varsha.
Jayakar, Pupul : The Earthen Drum.
Mallebrein, C. u.a. Die anderen Götter - Volks- und
Stammesbronzen aus Indien
Köln
1993