DIE BRONZEN DER KONDH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GALERIE NOAH'S ARK

Michael Beste

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Unsere Vorväter sind hier schon seit langer, langer Zeit", sagen die Kond von sich. Dabei be­ziehen sie sich auf den Teil der Eastern Ghats, der von den Stammesge­bieten der Soaras und anderer Stämme im Westen bis zur bengalischen Küste im Osten, und vom steilen Ab­bruch der Ghats zum Mahanadifluß im Norden bis zum Godavery im Süden reicht.

 

Horatio B. Rowney stellt 1882 fest, daß es drei Untergruppen unter den Kond gibt: Die Mah­lia, die Benniah und die Bhetiah, wobei die Bronzen von der ersten Gruppe verwendet wer­den.

 

Als ersten Hinweis auf die Kond-Bronzen dient uns eine kurze Bemerkung in dem ersten Be­richt über die Menschenopfer der Kond. Das war 1837, kurz nach der Entdeckung der Kond durch die Europäer. Um die kulturelle Bedeutung der Bron­zen zu verstehen, sollte man je­doch zuerst ihren Hintergrund betrachten . 

 

Man weiß wenig über die Frühgeschichte der Kond, die heute eine Bevölkerung von unge­fähr 700 000 Menschen haben. Einige wenigstens sind Abkömmlinge der urein­gesessenen Draviden, die durch die arische Einwanderung von den Küsten­ebenen Orissas hierhin ver­trieben wurden. Diesen schlossen sich wahrscheinlich andere Stammesgruppen an, die dra­vidische Sprache, Kui, und die damit ver­bundenen Glaubensvorstellungen übernahmen. Ihren Häuptlingen treu ergeben, sehr unabhängig und immer zum Kämpfen bereit, konnten sie ihre Kultur und Spra­che über die Jahre hinweg bewahren.

 

So konnten sie der westlichen Welt verborgen bleiben, bis 1835 die Truppen der East India Company in die Ghats eindrangen, um den Raja von Goomsur zu verfol­gen, der von den Küstenebenen entkommen war. Hier machten die Briten die Ent­deckung, daß "wir unter un­seren Untertanen ein ganzes Volk haben, das Men­schenopfer und Mord an weiblichen Kin­dern in einem Umfang und einer Grausam­keit praktiziert, welche noch nie von einem ande­ren Volk übertroffen wurde" (1872,E.T.Dalton). 

 

Rownwey beschreibt die Opferzeremonie 1882 sehr ausführlich: "In einigen Orten waren die Opfer nur männlich, in anderen benutzte man beide Geschlechter. Sie konnten von jeder Kaste oder Abstammung sein, vorausgesetzt sie waren keine Konds. Dies war ihnen durch ihre Tabus verboten. Infolgedessen wurden Kinder von außerhalb gekauft oder geraubt und zu ihnen gebracht. Bis diese in das Alter kamen um zu verstehen, was man mit ihnen vor­hatte, wurden sie freundlich behan­delt; danach aber bewacht und gefesselt. Der Zanee (Priester) stand dem Opferri­tus zwar vor, als Medium aber mußte er das Toomba, ein Kond­kind unter sieben Jahren, benutzen.  Einen Monat vor dem Opfer begann man zu feiern und zu trin­ken, man tanzte um das Meriah (Opfer), das mit Girlanden etc. geschmückt war. Am Tag vor der Opferung wurde es mit Toddy (starker Schnaps) betäubt und an den Opferpfahl gebunden. Der Stamm tanzte dann außen darum herum".

"Am nächsten Tag wurde das Opfer wiederum betäubt und mit Öl eingerieben, das von den Anwesenden abgewischt und als Segen auf den eigenen Kopf gerieben wurde. Es wurde dann in einer Prozession um das Dorf geführt und wieder an den Pfahl gebunden. Man schlachtete ein Schwein und bot es der, meist durch drei Steine dargestellten, Dorfgottheit dar. Das Opfer, oft schon bewußtlos, wurde nun in eine Grube geworfen und sein Gesicht auf den Boden gedrückt, bis es erstickt war. Dabei machte man einen ohrenbetäubenden Lärm mit Instrumenten. Daraufhin schnitt der Priester ein Stück Fleisch aus der Leiche und begrub es nahe der Gott­heit; alle anderen Anwesenden taten es ihm nach. Kopf und Gesicht des Opfers blieben unberührt und wurden  zusammen mit den blanken Knochen vergra­ben."

 

Diese menschlichen Opfer wurden regelmäßig der Erdgöttin dargebracht, um ihren Durst nach Blut zu befriedigen. Da die Kond, im Gegensatz zu anderen Stämmen Mittelindiens, glaubten Tierblut sei unzureichend, erklärten sie, ohne das Vergießen menschlichen Blutes auf die Erde gäbe es keine Fruchtbarkeit. Der regelmäßige "Nachschub" an menschlichen Opfern  wurde von den Pan - untergeordneten Händlern und Handwerkern, die den Kond als Zwischenhändler dienten - gekauft oder geraubt. Die Pan lebten in kleinen Gruppen nahe den Kond-Dörfern, in gegen­seitiger Abhängigkeit von ihren Nachbarn, deren Sprache und Rituale sie schon vor langer Zeit übernommen haben.

 

Interessant ist, daß nicht alle Kond dem beschriebenen Opferritus folgten: Über Zweidrittel der Klans hielten die Menschenopfer für notwendig, während das restliche Drittel sie ablehn­te - obwohl auch sie Kindestötung praktizierten. 

 

Die Kond erklären diese Glaubensspaltung mythologisch. Alle stimmen darin über­ein, daß Bura Pennu, der Sonnengott, die Erdgöttin - Tara Pennu -  als seine Ge­fährtin schuf. Dann aber fand er, sie widme ihm nicht genug Aufmerksamkeit, außerdem würde sie seinen Schöpfungsdrang behindern - dadurch ließ er sich aber nicht davon abhalten, die Menschen zu erschaffen. Dieses Zeitalter war paradiesisch, voll von Harmonie in der ganzen Schöpfung, abgesehen von der im­mer Größer werdenden Eifersucht der Erdgöttin, die schließlich zu einer ernsthaften Auseinandersetzung um die Oberherrschaft zwischen ihr und dem Son­nengott führte. An diesem Punkt behaupten alle, außer den Klans aus dem Süd­osten, daß die Erdgöttin siegreich war, obwohl sie Bura gestattete, als Schöpfer den zweiten Platz zu übernehmen. Sie lehrte die Menschen die Kunst des Jagens, die Kriegs­führung und den Acker­bau unter der Bedingung, daß sie sie in Form von Menschen­opfern verehrten. Die Klans in der Minderheit, die daran festhielten, daß Bura als Sieger hervorging, behaupteten, daß er die Kindestötung an weiblichen Neugeborenen sanktionierte, indem er sagte: "Seht, wie sehr ich und die ganze Welt durch die Schaffung eines einzigen weiblichen We­sens (der Erdgöttin) gelitten haben! Es steht euch daher frei, nur so viele Frauen aufzu­ziehen, wie ihr ertragen könnt!" 

 

G.V.Oppert gibt die Sage etwas anders wieder. Laut ihm begann der Krieg zwi­schen männli­chen und weiblichen Gottheiten als Tara Pennu den Sonnengott Bura Pennu heiratete. Bura beschloß, die Menschen zu erschaffen und auch die Vege­tation, um sie zu ernähren. Tara Pennu wurde eifersüchtig, hielt ihre Hände über die Erde und sagte: "Du darfst nichts mehr erschaffen!". Aber Bura wischte sich den Schweiß vom Körper, vergoß ihn über der Erde und sagte: "Für alles, was ich er­schaffen habe!". So entstanden Liebe, Sex und die Fortpflan­zung der Rassen. Die Erdgöttin wurde sehr ärgerlich und schuf Krankheit und Tod. Ein kos­mi­scher Kampf zwischen den beiden brach aus, der auf der Erde, am Himmel und im Was­ser aus­gefochten wurde; ihre Waffen waren Berge, Wirbelwinde und Sternschnuppen und die Kond sind sich heute noch nicht einig, wer den Kampf gewonnen hat.

 

Die Quintessenz beider Sagen ist jedenfalls eine symbolische Beschreibung der Verschmel­zung von patriarchalischen und matriarchalichen Gesellschaftsformen.

 

Soweit dieser kleine Exkurs in die Mythologie der Kond.

 

1855 wurden die Kond von den Briten "überzeugt", daß die Erdgöttin auch Büffel­opfer ak­zep­tiere. Genau ein Jahrhundert später brachten einige ihrer Nachkommen unerwartet aus geheimen Verstecken ihre Stammesbronzen hervor. Die ehemali­gen Götter wären nicht mehr in der Lage ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sagten sie. Daher hätten sie aufgehört, sie zu vereh­ren und stattdessen beschlossen, "von den christlichen Göttern zu lernen".

 

Die Existenz dieser Bronzen war vorher lange in Vergessenheit geraten. Heutige Nachfor­schungen haben ergeben, daß E.Thurston 1892 eine Sammlung im Mu­seum von Madras er­wähnte - einige dieser Stücke gelangten wahrscheinlich 1916 in das Victoria and Albert Mu­seum in London (inventarisiert 1916 und 1955) und auch einige andere Museen in Eng­land besitzen wenige Stücke. Eine beachtenswerte Anzahl jedoch wurde Missionaren um 1955 von Stammesältesten der Kond übergeben.

 

Grob gesehen fallen diese Bronzen in vier Kategorien. Erstens zum Gebrauch bei Men­sche­nopfern, zweitens als Totemtiere, die den Stammbaum einzelner Klans festhalten, drit­tens Bronzen, die zur Mitgift gehörten und schließlich, viertens, Gegen­stände für verschie­dene Zwecke. Die Kond selber klassifizieren sie heute alle als "dorbo" - Bronzegegenstände oder Wertgegenstände. Einige werden immer als "pradi dorbo" - Schätze aus alter Zeit - be­zeichnet und auch heute noch von den nichtchristlichen Kond in Ehren gehalten.

 

Von den vielen Tierdarstellungen, die bei Menschenopfern benutzt wurden, sind die meisten Größeren, im Hohlgußverfahren hergestellten, sich untereinander sehr un­ähnlich, auch wenn sie dasselbe Tier darstellen. Die oft auftauchenden kleinen stili­sierten "Doppelpfauen" dage­gen sind sich untereinander so ähnlich, wie es das Herstellungsverfahren erlaubte. Gleich­zei­tig findet man eine große Anzahl meist kleiner, im Vollgußverfahren hergestellter Büffel.

 

Zwei frühe Texte werfen etwas Licht auf das häufige Vorkommen dieser Pfauen und Büffel. Der eine ist der erste Bericht über die "Meriah" (Menschenopfer), her­ausgegeben 1837 von Mr. Stevenson im "Madras Journal of Literature and Science". Er berichtet, daß, nachdem einen Monat lang getrommelt, gefeiert und getrunken wurde, das Opfer am Vortage der Ze­remonie an die Opfersäule gebun­den wurde "an derer Spitze das Abbild eines Vogels befe­stigt ist und unter der eine Bronzefigur desselben Vogels vergraben wurde". Man hat solche Pfauenfiguren ge­funden. Es sind kleine, längliche Gefäße, an deren Schmalseiten Pfauen mit auf­gerichteten Schwingen sitzen. Den anderen Hinweis finden wir 1875 bei Colonel Tay­lor (The People of India), der darauf hinweist, daß im Gebiet von Boad (nördlich) die Erdmut­ter in der Form eines Büffels verehrt wird, während sie in Goomsur als Pfau dargestellt wird. Die Bronzefiguren erwähnt er allerdings nicht. Daraus geht hervor, daß jedes Dorf in Boad, das Opferzeremonien vollzog, eine Büffelfigur benötigte, während in Goomsur ein Pfau die­selbe Funktion erfüllte.

 

Wie bei vielen anderen Völkern, die nicht nur Sammler und Jäger sind, sondern auch Land­wirtschaft in genau geregelten Gemeinschaften betreiben, haben auch bei den Konds die Vor­fahren einen wichtigen Platz im religiösen System inne. Ihre Klans definieren sich durch Tier- und Reptilabbildungen, seltener durch unbelebte Objekte. Wahrscheinlich diente eine Begeg­nung oder ein Erlebnis vor langer Zeit dazu, ein bestimmtes Tier oder  Objekt mit einer Sippe zu verbinden und sie zu mythologischen Verwandten zu machen. Die betreffenden Klans be­gegnen ihrem Tier mit Respekt und halten sich auch an entsprechende  Tabus, die z.B. das Ja­gen und Berühren verbieten.

 

Ein Beispiel bietet die zusammengefaßte Ursprungsmythe der "Gundsika" oder des Eulen-Klans der Kuttia Kond: Einst hatte ein Vorfahre auf der Jagd eine Eule erlegt und auch ge­ges­sen. Nachdem man herausgefunden hatte, was er gegessen hatte,  erklärte man, daß der Jäger von nun an selbst gundsika - Eule - heiße.

 

Ab einem gewissen Zeitpunkt wurden dann auch Abbildungen in der "cire perdue"-Technik angefertigt (verlorene Form). 

 

In einer dunklen Ecke des Hauptraumes eines jeden  Kondhauses befindet sich der Ahnen­schrein, eine Lehmplattform mit einem Holzpfahl darauf, der oben gegabelt ist. Manchmal sind auch Brüste angeschnitzt oder er ist mit Kerbmustern verziert. Hier bringt das Familien­oberhaupt den Ahnen Trankopfer dar, er ruft sie bei ihren Namen, so weit diese ihm bekannt sind; die weiter zurückliegenden beschwört er als Kollektiv. Er lädt aber niemals andere Göt­ter ein, wie es sonst  bei den Kond der Brauch an anderen heiligen Plätzen ist. Der Ahnen­schrein ist auch der Ort, wo die Bronzen aufbewahrt werden. Es ist bezeichnend für die Kond,  daß sie über den ganzen Vorgang sehr verschwiegen sind, sogar untereinander. Dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum die Bronzen nur in einem frühen Bericht der Eng­län­der erwähnt werden und danach in Vergessenheit gerieten -  bis sich die vorher er­wähn­ten Kondgruppen 1955 endgültig davon trennten und sie den Missionaren übergaben.

 

Vielleicht wurden die Kond  von der Neugier der weißen Fremden überrumpelt, einer Neu­gier, die ihren Stammesgenossen nie in den Sinn gekommen wäre. So konnte Stevenson 1836 schreiben: "Aus Metall machen sie Figuren von Elefanten, Pfauen, menschlichen We­sen, Fi­schen und ähnlichem und bewahren sie in ihren Häusern auf". In Zeiten von Be­drängnis und Krankheit oder in Verbindung mit dem Tod eines Vorfahren bringen sie be­stimmte Opfer dar. Er fügt hinzu, daß sie die Vorfahren - vertreten durch die Bronzen -  auch dann versam­meln, wenn der Pries­ter herausfinden möchte, welcher der alten Namen einem Kind gegeben werden soll.

 

Es sieht so aus, als ob die Kond des Zentralgebietes als Sippenembleme Tiere und natür­liche Gegenstände benutzen, während einige Stämme an der Peripherie auch künstliche Gegen­stände annehmen. In dem Artikel "Totemism Among The Kond" erwähnt Friend-Pe­reira 1904 als Beispiele für die Zentral-Kond Frosch, Schlange, Wachtel, Fasan, Mahuabaum (hieraus brennen sie ihren Wein), und Gras. Hinzufü­gen kann man Antilope, Leopard, Panther, Bär, Krabbe, Schildkröte und zweifellos viele mehr. Friend-Pereira stellt fest, im reli­giösen Brauch­tum der Kond " steht das Totem für die Seele des Ahnen, der den Klan grün­dete und der gleichzeitig auch ihre Hauptschutzgottheit ist, und zweitens als Manifestation der Schutz­gottheit sel­ber". Gleichzeitig dient es als Führer für die unwissenden Stammesan­gehörigen durch die Stammesgeschichte und ihre Abstammung, um ihnen bei der Befolgung der Re­geln der Fremdheirat zu helfen. Ein Mann darf nämlich nicht innerhalb seines eigenen To­temklan heiraten, nicht einmal innerhalb eines anderen Klans, der ein­mal mit dem seinem ein Bündnis eingegangen war (in den Tagen der Stammes­kriege), sondern nur mit Frauen aus befeindeten Klans. Es ist zu vermuten, daß durch die Übergabe eines Mädchens die Überle­genheit des Klans des Bräutigams anerkannt wurde.

 

Ein weiterer Verwendungszweck der Bronzen war als Mitgiftgabe für den Bräuti­gam. Thurston beschreibt eine Kondhochzeit, auf der die Braut auf den Schultern zum Haus des Bräutigams getragen wird. "Es wird Musik gespielt und im Hinter­grund wird Spielzeug aus Metall wie z.B. Pferde etc. für den Bräutigam mitgeführt". Daneben natürlich auch andere Gegenstände ihrer Mitgift - kleine Töpfe und Löffel, Metallgefäße und Schmuck, und - als Geschenk für den Bräutigam - Pfeil und Bogen, eine Kopfbedeckung mit Federn und roter Stoff.

 

Die "Madras Mail" fügt 1894 hinzu, "daß der Braut, sobald sie das Haus des Bräuti­gams be­tritt, riesige Fußringe, jeder 20-30 Pfund schwer, an jedem Knöchel befestigt werden". Diese hatte sie für 3 Tage zu tragen. "Diese Fußringe", schreibt die Mail, "werden in den Bergen gemacht, sind merkwürdig mit Zickzacklinien verziert und bleiben als Erbe in der Familie, um bei der nächsten Hochzeit wieder verwendet zu werden". Die Fußringe sollten wohl weniger die Frauen am Davonlaufen hindern als vielmehr anzeigen, wie wohlhabend die Familie der Braut war, die nicht zum Arbei­ten, sondern "zum Sitzen" in die Familie des Bräu­tigams ge­kommen war. Hinweis darauf ist, daß diese Fußringe als "pradi dorbo", alte Schätze angese­hen werden. Heute noch sind sie symbolischer Teil der Mitgift.

 

All diese Bronzegegenstände spielen auch heute noch eine Rolle bei der Hochzeit reicher Konds. Sowohl Elefanten als auch Pferde werden geschenkt, oftmals mit einem Reiter, der entweder ein Schwert oder ein Gewehr schultert. Dies resultiert wahrscheinlich aus dem Goomsurkrieg (um 1835), in dem die britischen Offiziere die Konds durch den Gebrauch von Elefanten als Zugtiere in Erstaunen versetzten. Diese waren nur mit den wilden, im Dschun­gel lebenden Tieren vertraut. Pferde waren nur da bekannt, wo Kontakt zu benachbarten Gruppen bestand, die mit der "Außenwelt" in Verbindung standen.

 

Es ist nicht klar, ob es bei der Hochzeit zwischen zwei Klans zu einem Austausch der Totem­tiere kam, obwohl Thurston dies nicht in Frage stellt.                       

 

Dr. Mohan K. Gautam vom "Rijksmuseum Voor Folkenkunde" in Leiden meint, daß alle Ge­schenke des Brautvaters an den Bräutigam Aspekte seiner neuen Rolle symbolisieren sollen (z.B. Ehemann, Beschützer, zukünftiger Vater und erwachse­nes Mitglied seiner Gruppe). Demnach würde die Beschreibung als Spielzeug nicht zutreffen, sogar zu der Zeit, als der Bräutigam gewöhnlich nur 12 oder 13 Jahre alt war.

Die vierte Gruppe der Bronzen umfaßt Dinge wie Axtgriffe und  -schneiden oder Miniatur­nachbildungen von Büffelhörnern, die an Armbändern getragen werden. Man findet gele­gentlich auch kleine Lampen, Mundstücke primitiver Blasinstru­mente und lange, dünne "Geweihe", die beim Hochzeitstanz an einer umgehängten Trommel befestigt werden.

 

"Cire perdue" oder "Technik der verlorenen Form" ist eine alte Kunst, die heute noch in eini­gen indischen Staaten, auch Orissa,  ausgeübt wird. Für die traditionell verhafteten Kond je­doch waren die einzigen ehrbaren Tätigkeiten Jagen, Krieg füh­ren und Ackerbau. Um sie also mit den Bronzegegenständen zu versorgen, mit denen sie schon seit Jahrhunderten vertraut waren, siedelten sich 2 oder 3 kleine Gruppen von Schmieden in der Nachbarschaft von Kond- und Pan-Dörfern im östli­chen und im zentralen Stammesgebiet an. Wahrschein­lich kamen sie aus Belu­gunta im Ganjamdistrikt in den Ebenen Orissas

Belugunta ist seit langem bekannt für seine Schmiedekunst und es gibt dort auch einen Markt, zu dem die Pan-Händler von den Kondbergen regelmäßig gingen, um Büffel zu kau­fen. Diese brachten sie zu den Kond, um sie als Tieropfer zu benut­zen, aber auch für die Verwendung in der Landwirtschaft.

 

Die eingewanderten Metallarbeiter verwendeten für kleinere Figuren die Vollguß­technik,  Größere die billigere Hohlgußtechnik. Beim Vollguß wird das Modell sorg­fältig aus mit Harz vermischtem Bienenwachs geformt; eine Gußröhre aus Wachs wird am Fuß befestigt und das ganze mit weichem Ton bedeckt. Darüber werden nach dem Trocknen mehrere Lagen Ton gelegt und schließlich wird das Teil in einem einfachen Ofen, der mit einem Blasebalg aus Ziegenhäuten angeheizt wird, gebrannt. Das Wachs schmilzt, läuft aus der Gußröhre heraus und geschmolzenes Metall wird in diese Röhre gegossen. Nach dem Abkühlen wird der Ton entfernt und die Bronzefigur bleibt übrig. Üblicherweise wird das Objekt noch nachgearbeitet und poliert; nicht jedoch bei den Kond.

 

In Orissa ist die Hohlgußtechnik am weitesten verbreitet. Thurston beschreibt sie so: "Der Kern der Figur wird  wie üblich grob aus Lehm geformt. Anstatt aber diesen gleichmäßig mit einer dünnen Wachsschicht zu überziehen, werden dünne Fäden aus Wachs gemacht und über die Form gelegt. Diese formen ein Netz oder paralle und diagonale Linien, je nach Form der Figur und Geschick und Laune des Hand­werkers. Der Kopf, die Arme und die Füße wer­den wie üblich aus Wachs modelliert und am Korpus befestigt. Die Wachsfäden werden mit Hilfe eines Bambusrohres gemacht, dem ein bewegliches Metallplättchen eingefügt wurde. Das Wachs wird, nachdem es erhitzt wurde, durch ein Loch am Ende des Rohres gepreßt und kommt in Form langer Fäden heraus. Diese müssen verarbeitet werden, bevor sie hart und brüchig werden". Wachsfäden werden auch für die Augen, für Leoparden­flecken, Spira­len und andere Verzierungen verwendet. Wie beim Vollguß wird auch ein Gußkanal, bei grö­ßeren Figuren auch ein Austrittskanal für die heißen Gase angelegt.

 

Einige der Bronzen wurden "rituell gereinigt", indem sie mit Opferblut oder Kuhdung be­schmiert wurden; dadurch verschwinden oft Details und Muster.

 

Es wurde versucht, das Alter der Figuren mit Thermoluminiszenz zu bestimmen; diese Me­thode führte aber zu keinem Resultat, da für den Kern normaler Ton aus den Feldern mit fei­ner Erde aus Termitenhügeln und Kuhdung vermischt wurde. Dabei nahm der Ton Sauer­stoff aus der Luft auf und vereitelt dadurch die Bestim­mung von archäologisch interessantem Sauerstoff. Die verwendete Bronze hat normale Zusammensetzung mit zusätzlichem Zink.

 

S.Kramrisch beschreibt den Eindruck, den die Figuren hervorrufen folgender­maßen: "Sie sind die am lebendig wirkendsten von allen Stammesbronzen". Und ein wenig weiter: "Während das Netzmuster, das auch anderswo in Bengal, Bihar und Bastar verwendet wird, dort makellos und regelmäßig auf dem geglätteten Metall  aufgebracht wird, tragen die Kondfigu­ren ihr durchsichtiges Gewebe als wäre es ein lose gewebtes, eng anliegendes Netz, dessen Fäden mal hierhin, mal dorthin gezogen wurden."

 

 

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Literatur

 

Thurston, Edgar:             Castes and Tribes of Southern India,

                                               Vol. 1-7., Madras 1909.    

Museum Rietberg:                          Orissa- Kunst und Kultur in Nordost-

                                               Indien.

                                               Zürich 1980.    

Rowney, Horatio B.:                        The Wild Tribes of India

                                               London 1882.

Boal, B. :                             Kond Bronzes. In Art of Asia, Band 7; 1977                                                           .     

Niggemeyer,H.:                               Kuttia-Kond,Dschungelbauern in Orissa.

                                               München 1964.

Kramrisch, S.:                    Unknown India: Ritual Art in Tribe and Village.                                               

                                               Philadelphia 1968.

Dalton, E. T.:                     Descriptive Ethnology of Bengal, 1872.

 

Stevenson :                        Madras Journal of Literature and Science 1837.                                       

                                             

Friend-Pereira,J.:              Totemism Among The Konds, 1904.     

Oppert, G. V. :                  On the Original Inhabitants of Bharat Varsha.

Jayakar, Pupul :                The Earthen Drum.   New Delhi.                                      

Taylor :                                The People of India; 1875.

Mallebrein, C. u.a.           Die anderen Götter - Volks- und Stammesbronzen aus Indien

                                               Köln 1993